Wie der Rechtsstaat mit Kriminellen umgehen kann und soll ist ein wichtiges Thema im Unterricht des Fachs Wirtschaft und Recht. Die Klasse 10d konnte sich nun bei einem Besuch der Justizvollzugsanstalt Amberg nun vor Ort ein eigenes Bild vom Strafvollzug machen.
Nach der Mittagspause begann unsere Exkursion mit den begleitenden Lehrkräften Herrn und Frau Traub am vereinbarten Treffpunkt vor der JVA Amberg. Hier werden lediglich Männer untergebracht, die bereits eine Haft absaßen. Schon von außen konnte man erkennen: Es handelt sich um ein besonders gesichertes Gebäude. Nachdem wir kurz begrüßt wurden und aus Sicherheitsgründen unsere Smartphones abgeben mussten, ging es für uns zunächst in eine Gemeinschaftszelle. Ausgestattet ist ein solcher Raum für 3 Personen mit Bett, Schrank, Tisch, Stühlen und Fernseher. Einige persönliche Dinge und Alltagsgegenstände wie Kaffee oder Zeitungen waren ebenfalls vorzufinden. Erst dadurch wurde klar, dass der Raum auch bewohnt ist. „Mich hat überrascht, dass die Wärter alle komplett unbewaffnet herumgehen.“ Anmerkung eines Schülers
Der die Führung leitende JVA-Beamte sprach gleich zu Beginn das größte Problem der Anstalt an: Illegaler Drogenschmuggel- und Konsum. Übliche Verstecke für illegale Rauschgifte seien z.B. Siphon, Steckdose, Fernbedienung, Lampe, etc. Eine gängige Beschaffungsmethode sei der Briefverkehr mit Briefpapier, das zuvor mit Rauschgift versetzt wurde. Für den geregelten Ablauf in der mit 450 Betten ausgestatteten JVS sorgen 300 Beamte. Sie haben lediglich ein Funkgerät bei sich, mit dem in einer Notfallsituation Hilfe herbeigerufen werden kann. Ähnlich wie Feuermelder sind in der Anstalt außerdem mehrere Notrufstellen installiert. „Mich hat es überrascht, dass es eine ganze Kirche mit aller Ausstattung innerhalb der JVA gibt.“ Aussage eines Schülers
Nach einem kurzen Abstecher in die Kirche besuchten wir die Schreinerei, stellvertretend für alle JVA-internen Ausbildungsbetriebe – u.a. auch eine Schlosserei und ein KFZ-Betrieb - in denen die Gefangenen sowohl eine Ausbildung machen als auch ihre finanzielle Situation aufbessern können. Die JVA Amberg bündele dabei alle zentralen Ausbildungslehrgänge vor Ort, so der leitende Schreinermeister.
Anschließend gingen wir in einen der drei Besonders Gesicherten Hafträume (BGH). Diese sind für Personen angedacht, die eine Gefährdung für sich oder andere darstellen: Aufgrund des hohen Verletzungsrisiko gibt es ausschließlich eine Matratze, einen Sitzwürfel, einen mit Panzerglas in die Wand integrierten Fernseher und eine Hocktoilette. Die Gefangenen im BGH tragen aus Sicherheitsgründen nur eine Papierhose, weshalb eine vorgeschriebene Mindesttemperatur von 24°C eingehalten werden muss. Eine Unterbringung in einem solchen Haftraum ist nur für wenige Tage vorgesehen.„Ich fand die Vorgehensweise, dass man die Gefangenen in Isolationszellen sperrt, in denen es nichts gibt, um sie zu beruhigen etc., etwas schockierend.“ Empfindung einer Schülerin
Zuletzt wurde uns die Sozialtherapie vorgestellt, in dem Sexual- und Gewaltstraftäter gemeinsam auf die Freilassung vorbereitet werden: Die recht wohnlichen Zellen hier sind nicht abgesperrt, es gibt einen Speise- und Gemeinschaftsraum und die Inhaftierten müssen sich unter Anleitung mit den von ihnen begangenen Taten auseinandersetzen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Bildung und Arbeit in der JVA so eine große Rolle spielen.“ Äußerung eines Schülers
Nach eineinhalb Stunden verabschiedeten wir uns bei den begleitenden Beamten und verließen diese kleine isolierte Stadt im Herzen Ambergs mit einer besonderen Erfahrung. Wir bedanken uns noch einmal für die sehr interessante Führung durch die älteste JVA Bayerns.
Sebastian Weiß (10d)